Caroline Fekete-Kaiser, KulturAXE Wien, Sep 05 PLAGIAT (das) ist die Vorlage
fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines
eigenen Werkes. (Quelle: Wikipedia, freie Enzyklopädie) Plagiarus, lat., Plünderer, plagium (Menschenraub) Plagiatoren und
Plagiatorinnen des Informationszeitalters und dieser Welt vereinigt Euch, denn die Jagd auf Euch ist offiziell eröffnet, Euer Tun als Plagiatproblem entlarvt,
Anleitungen zur Bekämpfung dessen füllen den Webspace und Plagiatfälle sorgen für Vollbeschäftigung im Strafrecht. Plagiate
verkörpern also einen wahren Unwert und daran hat sich nichts geändert seit Fidentinus die geistigen Ergüsse des römischen Dichters Martial als
die eigenen ausgab. Martial erboste darob dermaßen, dass er dies mit der Freilassung eines Sklaven verglich, als Menschenraub (plagium). Im Versuch diesen
Gedankengang nachzuvollziehen, drängt sich mir der Verdacht auf, Martial hätte wiederum seine Einfälle denen seines, griechischen?, Sklaven
entlehnt... wir hätten es also hier mit einem klassischen Fall des Doppelplagiats zu tun. Interessant, jedoch nur eine auf weibliche Intuition basierende vage
Vermutung, daher beschränken wir uns auf das Faktum, dass Martial den Begriff Plagiat kreierte und mit der Wertigkeit der Ächtung versah. Die heutige
Gesellschaft sieht das nicht anders, Plagiate gelten als Fehlverhalten, das den Plagiator, sofern enttarnt, zum Schadenersatz verpflichtet. Der Ideenraub, der
unautorisierte Zugriff auf Gedankeninhalte anderer, mutiert heute zum brandaktuellen Thema. Wissen und Information, das Gold des 21. Jahrhunderts, patentiert,
geschützt, bewacht, und gleichzeitig publiziert, veröffentlicht, in Umlauf gebracht, eine Conditio sine qua non im internationalen
Repräsentationsprozess, ohne welche das Schaffen per se quasi nicht existiert. Das „geistige Eigentum”, als Idee und Begriff von Philosophen wie
Kant und Locke definiert, geschützt durch Weltorganisationen, wie der WIPO (World Intellectual Property Organization) versus freien Austausch von
Wissen und Ideen, auch „Open Content” oder „Freie Inhalte”. Plagiate, also Anarchostreiche, Werke moderner Kulturpiraten, vergreifen sich
gerne am oben zitierten Gold, sind fixer Bestandteil kultureller Gegenbewegungen wie der Neoismus, Underground-Philosophie und subkulturelles Netzwerk. „Wir
sind stolz zu plagiarisieren. Das Original zählt null...” (zit. fatakarabina). Hier leben die wahren Plagiate, im Reich der
Kommunikationsguerillas, der Paradoxe, Fälschungen, kollektiven Pseudonyme und multiplen Identitäten, und werden zum wahren Wert... Und ganz
persönlich, sah ich mich bislang bemüht auf den Vorwurf des Plagiats, die Bastion der weiblichen Authentizität und Intuition zu verteidigen und auch
gelegentlich mit „corporeal identity” zu antworten (siehe Abb., übrigens eher ein Simulacrum, Abbild-Trugbild), so skandiere ich jetzt:
lasst die Sklaven frei! Lit: Monty Cantsin, Book of Neoism; Jean Baudrillard: Simulacra and Simulation (Body, in Theory:
Histories); Noam Chomsky: Media Control, Europa-Verlag, Hamburg 2003; Christine Schöpf, Gerfried Stocker, Memesis - The Future of Evolution, 1996;
Florian Rötzer, Memetik und das globale Gehirn, 1996, (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/2/2079/1.html). Erscheint im Buch: Die
Enzyklopädie der wahren Werte. Die Wiederkehr des Gleichen in Architektur, Design, Lifestyle und Politik. Ein Passagenwerk. Jan Tabor, Künstlerhaus Wien,
2005 |