Caroline Fekete-Kaiser, KulturAXE Sich einen
Augenblick Zeit zu nehmen über „Einen Augenblick Zeit”, der Medienkunstinstallation von Hofstetter Kurt an einem Wiener Bahnhof zu reflektieren,
katapultiert die eigene Denkmaschinerie zu schier überschäumender Aktivität, in der die Wellen gelebter oder sonst wie zugetragener Information aus
allerorts sprießenden philosophischen und vordenkerischen Quellen zur tosenden Brandung mutiert, mit der Vorgabe die vielen irrwitzig an den Strand
geschlagenen Meereszungen zu einer Essenz zu verquicken, die sich Moment nennt, also bei fortschreitender Überlegung das Lebens selbst zu einem Moment
bündeln, denn da ist im Hinterkopf das Bild der am Bahnhof befindlichen Medienskulptur, die mit fast ironischem Augenzwinkern die mehrschichtigen komplexen
Themen unserer Zeit in sich birgt, die ich der Einfachheit halber mit Schlagwörtern aus Paul Virilio's Gedankengut umreißen möchte, passender weise
aus seinem Aufsatz „Achtung Augen auf”, wie die Industrialisierung unseres Sehens, Geschwindigkeit und Beschleunigung, der mensch ausgesetzt ist in
unserem hypertechnokratischem Digitalzeitalter, „in dem wir dem Versuch einer Automatisierung der sinnlichen Wahrnehmung der Welt gegenüber
stehen”. Oder wie der wie der Videast Gary Hill erklärt: "Das Sehen ist nicht mehr die Möglichkeit zu sehen, sondern die Unmöglichkeit,
nicht zu sehen." Es ließe sich noch herumschweifen in Begrifflichkeiten wie Klee's Wahrnehmungstheorie des „thinking eye”, Virilio's
„vision machine”, den Behauptungen, dass Realzeit den Realraum überlagert hat, Globalisierung Lichtgeschwindigkeit sei und sonst nichts, dem
schönen Bild, dass visuelle Eindrücke „body-shots” sind, und der atomaren Geschwindigkeit, mit der sich Bilder auf unserer Netzhaut
materialisieren, oder wie sich durch die "Echtzeit"-Kommunikation in weltumspannenden Datennetz der philosophische Horizont des Menschen verschiebt. All
das führt zwangsläufig zur Schlussfolgerung, dass das Unterfangen „Synthese Moment” kein leichtes ist, und so könnte man sich auch der
naheliegenden Versuchung hingeben, wie im umgänglichen Sprachgebrauch gerne und häufig angewendet, „Einen Augenblick Zeit” einfach zu nutzen
in dieser besten aller Welten für einen schnellen Kaffee, eine Zigarette, oder in den Himmel zu schauen - wobei wir mit dem letzteren auch wieder bei einem
Spezialgebiet von Hofstetter Kurt wären. Literaturhinweise: - Yukio Mishima: „The Sea of Fertility”
- Paul
Virilio: „The Politics of 'Real Time'”
- Paul Virilio: "Achtung. Augen auf!" (Hg.ZKM Karlsruhe)
- Paul Virilio und
Friedrich Kittler im Gespräch. „Die Informationsbombe” (ARTE, Nov 95)
Erschienen in: Hofstetter Kurt Einen Augenblick
Zeit - Parallaxe, Edition Selene, Wien, 2004 |